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Steinenbrück

Evangelische Friedenskirche in Neichen

Wer auf der Autobahn von Köln kommend den Bensberger Berg überwunden hat, dem öffnet sich ein weites Tal. Auf der linken Seite reckt sich ein graziler Kirchturm in die Höhe: ein Dreibein mit einem Kreuz oben und einem dunklen Holzkasten in der Mitte, worin sich die Glocke vor der Witterung verbirgt. Dieser markante Punkt kennzeichnet das Gemeindezentrum Friedenskirche im Ortsteil Steinenbrück-Neichen.
 
Durch den aufblühenden Erzbergbau am Lüderich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung in Steinenbrück und Umgebung ständig zu. Die Bewohner trennte ein 6 Kilometer langer und beschwerlicher Fußweg von der Pfarrkirche St. Walburga in Overath. Um den Steinenbrückern den Kirchweg zu erleichtern und das Steinenbrücker Selbstbewusstsein mit einer eigenen Kirche aufzubauen, wurde 1902 der "Kirchenbauverein St. Barbara Steinenbrück" gegründet. Dessen Vorsitzender war der Obersteiger Römer vom Erzbergwerk Lüderich, welches von der AG des Altenbergs (Vieille Montagne) betrieben wurde.
Die Kirche ist einen zweiten Blick wert: Der verstorbene Architekt Dipl.-Ing. Paul Smrha, vormals Köln und Wien, hat das Dach gewissermaßen verkehrt herum auf das Kirchenschiff gesetzt und die dadurch freibleibenden Flächen verglast. Dadurch fängt die Kirche soviel Himmel ein wie möglich. Der lichte Raum zeigt in weiten Teilen seine Konstruktion aus Beton, Stahl und Glas.
Diesem Stil angepasst erwartet den Besucher im Eingang ein Relief, welches sich erst auf den zweiten Blick erschließt: "Der Hahnenschrei" von Günter Ferdinand Ris, geboren 1928 in Leverkusen und verstorben 2005 in Darmstadt. Der Hahn weist auf den Bericht vom letzten Abendmahl hin, als Jesus zu Petrus sagt: "Noch heute in dieser Nacht, bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal bestreiten, dass du mich kennst." (Markus 14, Vers 30, Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache).
In farblichem Kontrast dazu stehen im Innenraum acht Bilder des Siegburger Künstlers Köstlich, geboren 1956. Diese Bilder setzen die "Berührung Gottes" in Szene. Mehr zur Externer Link: findet man auf der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Overath.

Zur Geschichte:
Vor 1945 lebten im Steinenbrücker Raum nur wenige evangelische Familien. Zum Konfirmandenunterricht musste man Woche für Woche nach Honrath wandern, denn die evangelischen Christen in der Bürgermeisterei Overath gehörten bis 1954 zur Kirchengemeinde Honrath. Gottesdienste fanden allerdings schon seit 1890 in Steinenbrücker Privathäusern statt, ab den 1930-er Jahren im Speisesaal des Textilwerkes Robert Flocke.
Nach 1945 brachten die Flüchtlings- und Vertriebenenströme viele, auch evangelische Christen auf die Höhen und Seitentäler in Steinenbrück. Von 1956 an plante das Presbyterium hier einen eigenen Kirchenraum.
Die Friedenskirche wurde am 14.1.1965 feierlich in Dienst genommen (Architekt: Peter Paul Smrha). Die Sichtbetonausführung wird bis heute bewundert. Der dreifüßige Glockenturm ist von komplizierter Statik. Die Glocken schlagen in Cis und e. 1969 wurden Küster- u. Pfarrhaus realisiert, 1978 kam das Gemeindezentrum hinzu.

Pfarrkirche St. Barbara in Steinenbrück

Der Kirchenbauverein war so rege, dass schon im Jahre 1913 ein Kapital von 32.000 Mark angespart war. Daran waren die Steinenbrücker mit beachtlichen Spenden beteiligt. Die AG des Altenbergs stiftete 1905 das Grundstück und 10000 Franken. Mit einem Zuschuss des Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln rückte der Kirchenbau näher.
Am 1. Mai 1914 konnte der Grundstein für das neuromanische Gotteshaus durch Dechant Schlenkert aus Overath gelegt werden. Nach den Plänen des Architekten Jakob Stumpf entstand die dreischiffige Kirche aus bergischer Grauwacke unter tatkräftiger Mithilfe der Gläubigen. Ein Vierteljahr nach Baubeginn brach der Erste Weltkrieg aus und beeinträchtigte den Kirchenbau durch Mangel an Werkleuten und Baustoffen. Trotzdem gelang den Steinenbrückern mit einem beachtenswerten Engagement die Fertigstellung ihres Gotteshauses, wenn auch zunächst ohne den geplanten Kirchturm. Das Zinkblech - in dieser Kriegszeit ein äußerst knapper Rohstoff - für das Kirchendach wurde von der AG des Altenbergs gestiftet. Schon nach zwei Jahren konnte Dechant Schlenkert am 2. April 1916 die neue Kirche einweihen und damit ein Werk des Friedens mitten in einer Welt von grauenhaften und menschenverachtenden Materialschlachten an den Fronten abschließen.
 
Im Jahre 1963 wurde der Kirchturm nach den Plänen des Steinenbrücker Architekten Wilhelm Pollen in einer Kombination von Grauwacke und Sichtbeton gebaut.

Der Förderturm am Hauptschacht des Erzbergwerks Lüderich

Die beschleunigte Entwicklung des Erzbergbaus am Lüderich auf Bleiglanz und Zinkblende seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts erforderte einen leistungsfähigen Förderschacht, der den Bedingungen des Industriezeitalters entsprach. So begann 1892 die AG des Altenbergs (Vieille Montagne) mit dem Abteufen des Hauptschachtes auf dem nördlichen Rücken des Lüderich-Massivs. In mühseliger Handarbeit wurde der Schacht niedergebracht. Jedes Bohrloch zum Sprengen des harten Gesteins wurde mit einem Stahlbohrer und dem Treibfäustel von Hand hergestellt. Eine Trommelfördermaschine mit Dampfantrieb förderte das taube Gestein und später das Roherz zu Tage. Der ursprüngliche Förderturm wurde im Jahre 1936 durch die heutige Konstruktion ersetzt. Gleichzeitig legten die Bergleute die Dampfmaschine still und montierten eine leistungsfähige Trommelförderung mit Elektromotor in einem neuen Maschinenhaus. Die Förderseile liefen über die mächtigen Seilscheiben, die heute noch auf der obersten Plattform des Förderturms zu sehen sind, und trugen die Förderkörbe im Schacht. Im Jahre 1957 wurde die Schachtförderung erneut modernisiert und auf Höchstleistung mit einer Tagesförderung von 800 Tonnen gebracht.
Der Hauptschacht erreichte an seiner tiefsten Stelle ein Teufe von 483,90 Metern, die tiefste Fördersohle lag bei 421,8 Metern.
Die Bergleute vom Lüderich förderten bis zur Stillegung im Jahre 1978 mehr als 10 Millionen Tonnen Roherz mit einem Metallgehalt von 1 Million Tonnen zu Tage.
Der Hauptschacht wurde nach der Stillegung aus Sicherheitsgründen mit Beton verfüllt.
Der Förderturm am Hauptschacht der ehemaligen Grube Lüderich bleibt durch einen Beschluss des Overather Gemeinderates als Industriedenkmal der Nachwelt erhalten.
In seinem Schatten werden in Zukunft die zentralen Anlagen des künftigen Golfplatzes am Lüderich entstehen.
 

Das Barbarakreuz auf der Halde des Erzbergwerks Lüderich

Der Förderturm am Hauptschacht der Grube Lüderich steht auf dem Bergrücken am Waldrand und führt ein eher zurückgezogenes Dasein. Dagegen bildet die Spitze der Bergehalde, die vom Schacht aus nach Norden angeschüttet wurde, einen markanten Geländepunkt, der von den umliegenden Höhen, aber auch von den Tälern der Sülz, des Holzbachs und des Dresbachs eingesehen werden kann. Es lag daher nahe, auf diesem Punkt einen Blickfang zu errichten, der eine Beziehung zu dem Leben der Menschen rund um den Lüderich hat. Auf Anregung des Bürgermeisters Siegfried Raimann errichtete die Katholische Kirchengemeinde St. Barbara am 16. August 1997 ein 15 Meter hohes Kreuz aus Edelstahl auf diesem Geländepunkt.
 
 
 
Am 6. September 1997 weihte Weihbischof Dr. Dick das Hochkreuz auf dem Lüderich im Beisein zahlreicher Besucher ein.
Es trägt folgende Aufschrift:
 
Barbarakreuz
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Dieses Kreuz ist den Bergleuten der Grube Lüderich im Namen ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Barbara, gewidmet.
Es wurde von der Katholischen Kirchengemeinde St. Barbara Steinenbrück mit Hilfe vieler Spender errichtet.
6. September 1997
Reimund Fischer
Pfarrer

Seither ragt es als Symbol unseres christlichen Glaubens und als Denkmal für Tausende von Bergleuten, die in mühseliger Arbeit die wertvollen Bodenschätze aus der Tiefe holten, in den Himmel über Steinenbrück.
Viele Besucher aus allen Himmelsrichtungen pilgern seither zum Barbarakreuz und genießen die prächtige Aussicht über unsere engere Heimat.
Bild: Overath.de
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